Betriebsrat ohne Tarif? Dann verhandelt ihr mit einer Hand auf dem Rücken

Kommentarer · 8 Visningar

Betriebsräte aufgepasst: Ohne Tarifvertrag verhandelt ihr ohne Rückgrat. Wie die Abschlüsse bei KEBA, Postbank und privaten Banken zeigen, bringt erst der Flächentarif echte Mitbestimmung bei Gehalt, Arbeitszeit und Digitalisierung. Was ihr jetzt im Gremium tun müsst.

Als Betriebsrat habt ihr Mitbestimmung. Aber ohne Tarifvertrag im Rücken verhandelt ihr über die Höhe der Weihnachtsfeier, während die Gehaltsstruktur, Eingruppierung und echte Arbeitszeitmodelle allein vom Arbeitgeber festgelegt werden. Die letzten Tarifrunden 2024/2025 in Banken, Sparkassen und Versicherungen zeigen: Erst der Flächentarif gibt euch die Hebel, mit denen ihr auf Augenhöhe kommt.

1. Der Tarifvertrag ist euer Werkzeugkasten — nicht nur Kulisse
Mit Tarif könnt ihr auf verbindliche Entgelttabellen, klare Stufenaufstiege und Schutzregelungen bei Digitalisierung verweisen. Ohne Tarif diskutiert ihr Einzelfälle, während der Arbeitgeber die Systematik bestimmt. Schaut euch die Ergebnisse an: 19,1% mehr Gehalt bei KEBA nach der dritten Verhandlungsrunde, die Abschaffung der “Teilzeitfalle” in der Versicherungsbranche, oder das neue Gesundheitsbudget bei den privaten Banken. Das sind keine netten Gesten. Das sind durchgesetzte Standards, die ihr im Betrieb dann konkret ausfüllen könnt. Wer die Details zu laufenden und vergangenen Runden in eurer Branche sucht, findet alle Forderungen, Verhandlungstermine und Aktionsmaterialien gebündelt auf https://wir-fuer-tarifde.com/ — dem Portal der ver.di-Tarifbewegung für Finanzdienstleistungen.

2. Tarifabschluss kommt durch Druck — und Druck braucht Organisation
900 Kolleginnen und Kollegen beim Auftakt der 3. Verhandlungsrunde im privaten Bankgewerbe, Warnstreiks in Mittelfranken, Wernigerode und Hamburg, 15.000 Sparkassen-Beschäftigte auf dem Opernplatz in Hannover, geschlossene Filialen in Aachen, Stuttgart und Bremen. Jedes dieser Bilder war ein Argument am Verhandlungstisch. Arbeitgeber bewegen sich, wenn sie sehen: Die Belegschaft steht. Als Betriebsrat könnt ihr mobilisieren, aber nachhaltig wird der Druck nur, wenn genug Kolleg*innen ver.di-Mitglied sind. Denn das Streikrecht und die Durchsetzungsfähigkeit hängen direkt am Organisationsgrad.

3. Was ihr als Gremium jetzt konkret tun solltet
Erstens: Macht den Tarif-Check. Für wie viele Beschäftigte in eurem Haus gilt aktuell kein Tarifvertrag? Diese Gruppe ist bei der nächsten Umstrukturierung als erste betroffen. Zweitens: Nutzt die Betriebsversammlung. Ladet ver.di ein und zeigt die letzten Abschlüsse. Die 4,5% mehr Geld ab dem 1. Juli 2025 bei der Postbank überzeugen mehr als jede Broschüre. Drittens: Werdet sichtbar. Foto-Aktionen, Pausenversammlungen, “Wir für Tarif”-Stände im Foyer — je öffentlicher, desto besser. Tarif ist kein Selbstläufer. Tarif ist euer Mandat.

Kommentarer